Die Atemluft ist ein olfaktorischer Fingerabdruck

Donnerstag, 14. Juni 2018, 19:30 Uhr

Biosensoren

Biomarker erschnüffeln – wie geht das?

mit
Thorsten Perl (Intensivmediziner, Uni-Klinik Göttingen) und Stefan Zimmermann (Institut für Grundlagen der Elektrotechnik und Messtechnik, Leibniz Universität Hannover)

Ort
Bahlsensaal (F 303)
Hauptgebäude der Leibniz Universität Hannover
Welfengarten 1, 30167 Hannover
Stadtbahnen 4/5 bis Leibniz Universität

Abendkasse
4 EUR oder 0 EUR unter 25

Kooperation
Fakultät für Elektrotechnik und Informatik der Leibniz Universität Hannover

Alles, was Odem hat, lebt und soll – nach dem Psalmwort – den Schöpfer loben. Aber nicht nur das. Die Atemluft, die unseren Körper verlässt, taugt auch als Auskunftsmedium für Vorgänge in unserem Körperinneren. Die molekulare Zusammensetzung dieses Gasgemisches liefert ein recht informatives Abbild zahlreicher physiologischer Prozesse. Informativ dann, wenn man sie zu deuten weiß.

Hunde mit ihren Supernasen kann man gut trainieren, unterzuckerte Zustände von Diabetikern zu erkennen. Auch unter Medizinern war die Atemluftdiagnose lange Zeit üblich. Jetzt könnte sie eine Renaissance erleben. Denn mittlerweile kommen technische Sensoren auf, die in der Lage sind, Mengenprofile der rund 3.000 flüchtigen Substanzen zu erstellen, aus denen sich die Atemluft zusammensetzt.

Die notwenigen Nanosensoren und Ionenspektrometer, die man braucht, um feinste Stoffkonzentrationen in Gasströmen zu registrieren, entwickelt der Elektrotechniker Stefan Zimmermann an der Leibniz Universität. Ärzte wie Thorsten Perl von der Universitätsmedizin Göttingen sehen für diese Analysemethoden schon zahlreiche diagnostische Anwendungsbereiche und wirken an der Entwicklung mit. Wie hilfreich wäre ein Ad-hoc-Screening kritischer Körperfunktionen nur anhand der Atemluft: ohne Eingriffe, ohne Blut- oder Gewebeproben, ohne Wartezeiten auf Laborbefunde. Der Wettlauf um Marktreife und Zulassung solcher Verfahren ist eröffnet. Wir werden sehen.

Vorläufig steht der Widerspruch im Raum, dass wir zwar die Abgasprobleme in unseren Innenstädten nicht in den Griff bekommen, aber immerhin unsere Analyseinstrumente immer feiner werden. Wann wohl das erste Smartphone mit Bio- und Umweltsensoren auf den Markt kommt?